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Dies hab ich auf  www.bienst.wordpress.com als einen Kommentar zu diesem Artikel geschrieben. Und da ich nicht will, dass er verloren geht:

Das größte, wirklich das allergrößte Problem an diesem Bürgergeld ist doch, wenn man sich mal das Parteiprogramm der FDP anschaut, dass damit der Staat Niedrigstlohnarbeitsplätze auch noch subventionieren soll. Statt eines Mindestlohn, so die FDP, soll nämlich dieses Bürgergeld eingeführt werden.
Dieses Bürgergeld soll einem Arbeitnehmer mehr Geld garantieren als einem Arbeitslosen – so weit so gut. Doch wessen Aufgabe ist es denn, die erbrachte Leistung eines Arbeitnehmers ausreichend zu entlohnen? Doch nicht die des Staates! Aktiengesellschaften optimieren seit Jahren ihre Gewinnspanne während und indem sie Arbeitsplätze abbauen und Löhne „inflationsbereinigt“ de facto kürzen. Die Durchschnittslöhne von einigen Ausbildungsberufen wie Frisören und anderen sind im freien Fall. Wie kann man die Menschenwürde, die ja ach so unantastbar ist, so verletzen, dass man ausgebildeten Menschen die 10 Stunden am Tag arbeiten sagt, dass ihre Arbeit nicht so viel wert ist, dass sie davon leben können sondern dass sie von Almosen des Staates leben müssen? Und wie ist es gerechtfertigt, das es andere gibt, die das x-tausendfache dessen verdienen?

Und dazu jetzt noch die Einkommenssteuer auf Kosten der Mehrwertsteuer wegfallen lassen? Wer investiert denn jeden Monat jeden Cent den er bekommt in die Wirtschaft? Das sind doch wohl genau die Empfänger des Bürgergeldes!! Und die andern, die etwas abzugeben hätten, legen ihr Geld auf die Bank und „lassen es dort für sich arbeiten“ bis die Mehrwertsteuer wieder drin ist.

Merkel und Westerwelle mit Anhang

Dieses Bild kommt von www.welt.de

Die obersten Vertreter der bürgerlichen Mitte mit ihren Lebenspartnern. Eine Frau und ein Homosexueller repräsentieren die neue konservativ-liberale Koalition. Mal ganz abgesehen von den politischen Inhalten dieser Koalition zeichnet das ein freiheitliches, tolerantes Bild von Deutschland, welches ruhig auch im Ausland gezeigt werden darf! Die Deutschen sind eben keine Nazis, sondern lassen sich von Menschen vertreten, die in anderen Ländern zu unterdrückten bzw. zu den auf dem politischen Parkett geschmähten gehören. Darauf hätte die rot-grüne Regierung mal kommen müssen. Immerhin ist es schon etwas peinlich, solche Neuerungen der bürgerlichen Mitte zu überlassen, oder?

Jetzt fehlt nur noch der erste Bundesligaspieler der sich outet, nachdem da die Frauen ja schon einigermaßen anerkannt sind. Dann kann man von einer richtigen Vorreiterrolle Deutschlands sprechen!

Die Vision

Wenn man das Parteiprogramm der FDP liest, freut man sich über die schöne Vision, welche die FDP von einem Staat hat: Alle Bürger leben demokratisch, freiheitlich und solidarisch nebeneinander, jeder arbeitet und bekommt seinen gerechten Lohn für seinen Beitrag zum Wohle aller, die Schwächeren werden so unterstützt, dass sie schnellstmöglich ihren Platz in der Gesellschaft wiederfinden können um dort wieder Leistung zu erbringen. Kranke, Alte und Behinderte werden unterstützt, jeder gesunde Mensch ist aber seines eigenen Glückes Schmied und entscheidet selbst wie er sich verwirklichen möchte. Der Mittelstand, das sind in dieser Vision die Menschen, die morgends früher aufstehen um einen Tick mehr zu leisten als andere.

Die Vision und der Staat

Diesem Idealbild steht laut FDP nur der Staat im Weg, der aus sozialistischer Verblendung und Verstockung den Menschen zu viele Gesetze zumutet: Manche würden gerne arbeiten, tun es aber nicht, weil es sich wegen der Steuern nicht mehr lohnt. Andere würden gerne mehr Arbeitsplätze schaffen, tun es aber nicht, weil die Tariflöhne zu hoch sind oder sie sonst einen Betriebsrat einrichten müssten. Wieder  andere würden gerne Steuern zahlen, tun es aber nicht, weil die zu hoch sind. Wieder andere würden gerne etwas vererben, tun es aber nicht, weil es eine Erbschaftssteuer gibt und so sieht man sich genötigt zu verschenken…

Wie gesagt, nur der Staat steht einer strahlenden Zukunft für Deutschland im Weg.

Die Vision und die Wirklichkeit

Klingt zunächst mal nur naiv und trotzdem stellt sich für mich die Frage, inwiefern das Programm der FDP nicht eine systematische verarsche ist. Denn einerseits redet sie von einem Neuverschuldungsverbot für Bund, Länder und Gemeinden, da jede „Generation ihre Aufgaben aus eigener Kraft bewältig(en)“ soll. Andererseits aber spricht sie sich gegen eine Erbschaftssteuer aus. Aber warum?  Keine andere Steuer ist so sehr geeignet ungleiche materielle Vorraussetzungen wenigstens zum Teil auszugleichen. Ich will nicht falsch verstanden werden! Das Erbe soll nicht direkt an den Staat überführt werden! Aber wen kann es denn ernsthaft stören, wenn ein Teil des Geldes, für das man eben selbst keine Leistung erbracht hat, dafür benutzt wird, andere, finanziell schwächere Menschen zu unterstützen? Spätestens hier schimmert im Programm unseres zukünftigen Ausenministers das wahre Gesicht der FDP und ihrer Sympatisanten durch. Wer hier Solidarität auf den Raum der Familie bezieht, wie das die FDP in der Präambel ihres Programmes tut, der zeigt sein wahres Gesicht – das Gesicht einer Partei des gelebten Finanzadels!

In diesem Licht erscheinen die Aufhebung des Kündigungsschutzes und die Einschränkung der Macht der Betriebsräte keineswegs mehr wie die sinnvolle Freiheit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die durch diese neu gewonnene Freiheit mehr Leistung bringen können. In diesem Licht scheint die FDP wie eine Marionette der Arbeitgeber, welchen der Staat das, was sie ja ach so sehr verdient haben, gleich einem Dieb aus den Taschen saugt.

Die FDP an der Regierung und die Wirtschaftskrise

Diese Partei also hat der Souverän in die Verantwortung gerufen. Man darf gespannt sein, welche Politik die FDP durchsetzen wird. Die naive Vision oder die Marionette. Und selbst wenn man der FDP glauben darf, dass sie ausschließlich für ihre naive Vision steht, wird wohl nach einem Jahr Wirtschaftskrise und Managerboni die Frage erlaubt sein, ob diese Vision noch geträumt werden darf. Hat doch der verehrte Herr Eick, seines Zeichens ehemaliger Chef von Arcandor, die von der FDP so hoch gepriesene Eigenverantwortlichkeit und Freiheit gezeigt, von einer Insolventen Firma 15 Mio. Euro Abfindung zu kassieren. Nicht weil er so gut gewirtschaftet hat – er sollte Arcandor vor der Insolvenz bewahren- sondern, ja wofür eigentlich? Nicht nur hier ist mir der öffentliche Unmut nun wirklich noch lange nicht groß genug! Im Gegenteil, die Mehrheit der Menschen in Deutschland haben sich für diese Politik entschieden. Kann mir das jemand erklären?


Heute vor genau 20 Jahren feierten die Menschen in Deutschland die Wiedervereinigung. Die zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre dauernde Trennung Deutschlands in einen Ost- und einen Westteil begann zu verschwinden. Zwei politische und wirtschaftliche Systeme, wie sie unterschiedlicher wohl kaum hätten sein können, wurden verschmolzen. Doch wie sieht Deutschland 20 Jahre nach diesem Tag am 3. Oktober 2009 aus? Nach einem Jahr Wirtschaftskrise, massiven Terrordrohungen und Bundestagswahl? Die sehnsüchtig erwartete Einigkeit der Staatsgrenzen wurde ab 1989 erreicht. Aber wie steht es mit Recht und Freiheit? Leben alle Menschen in Deutschland im Oktober 2009 in Recht und Freiheit? Welche Ziele und Visionen haben wir heute für unser Land? Und brauchen wir überhaupt noch Visionen?

Wird  unsere neue Regierung fähig sein, trotz Terrorwarnungen unbeeindruckt Politik zu machen, oder wird Schäuble unsere Freiheit eingeschränken mit dem Ziel Sicherheit zu „garantieren“? Wird unsere neue Regierung nachhaltige Energiepolitik betreiben und den Atomausstieg wie geplant durchführen und weiter den Bereich „erneuerbare Energien“ fördern, welcher laut Bundesumweltministerium 2008 ca. 280.000 Menschen beschäftigt hat (im Vergleich Atomwirtschaft: 38.000)? Wird unsere neue Regierung trotz „mehr Netto vom Brutto“ so wirtschaften, dass auch kommende Generationen ihr Recht auf Wohlstand bekommen oder kauft sich die FDP Wählerstimmen auf Kosten der zukünftigen Wähler?

Diesen Fragen möchte ich hier nachgehen…